LOVE-Storm Grundlagen

LOVE-Storm Grundlagen

1.1 LOVE-Storm: Training, Community, Aktion

In den letzten Jahren haben sich Hass und Hetze im Netz immer weiter ausgebreitet. Besonders aktiv sind Hasskommentator*innen in sozialen Netzwerken wie facebook und twitter und in den Kommentarspalten der Online-Auftritte großer Tages- und Wochenzeitungen. Ziel der Angriffe sind häufig Menschen, die ohnehin von struktureller Diskriminierung in der Gesellschaft betroffen sind: People of Colour, Menschen aus der LGBTIQ*-Community, Behinderte und Frauen. Darüber hinaus werden in der Öffentlichkeit stehende Menschen, wie Journalist*innen, Politiker*innen und Kulturschaffende, im Internet häufig zur Zielscheibe.

Das Internet bietet zahlreiche Möglichkeiten zum Austausch, der Informationsweitergabe und zur Kontaktaufnahme mit unterschiedlichsten Menschen. Aber die Kommunikation über den Bildschirm verleitet auch einige Menschen dazu, ihre destruktiven Aggressionen und menschenfeindlichen Einstellungen ungehemmter auszuleben. Bei den Betroffenen verursachen die Angriffe Leid und Angst. Viel zu viele ziehen sich aus der Debatte zurück und verstummen. Zudem ist zu befürchten, dass die Debattenkultur im Netz insgesamt verroht und vor allem diejenigen gehört werden, die durch Beschimpfungen, Abwertungen und einseitig zugespitzte Positionen „am lautesten schreien.“ Darüber hinaus sind verbale Gewalt und Hetze oft der Einstieg zu physischer Gewalt.

Um dem Hass im Netz etwas entgegenzusetzen haben sich bereits verschiedene Gruppen und Initiativen gebildet. Die Facebook-Gruppe #ichbinhier übt organisierte Gegenrede unter entsprechenden Hass-Postings auf facebook aus, die Kampagne no hate speech movement gibt unter anderem Tipps, wie Kommentare gemeldet oder angezeigt werden können.

Das Internet ist ein sozialer Raum, der durch gelebte Normen und Werte sowie etablierte Handlungsweisen geprägt wird. Entsprechend werden Menschen, die sich im Internet bewegen, bestimmte Verhaltensweisen mehr oder weniger nahegelegt. Werden abwertende Kommentare und Beschimpfungen sozial akzeptiert, werden diese umso häufiger auftreten. Das Ziel, ein sicheres Internet zu schaffen, in dem sich möglichst viele Menschen wohlfühlen, kann am besten durch Beteiligung erreicht werden: Wenn viele Menschen Verantwortung dafür übernehmen, die Menschenwürde im Netz zu achten und die Integrität der Einzelnen zu wahren, können Hass und seine negativen Wirkungen gestoppt werden.

Das aktive Eingreifen zum Schutz des Einzelnen im Sinne der Wahrung von Menschenrechten und Respekt wird als Zivilcourage bezeichnet. Zivilcourage ist nicht leicht. In Gewaltsituationen verfallen wir automatisch in einen der Instinktzustände: Flucht, Angriff oder Erstarren. Daher fällt uns die richtig coole Reaktion meistens auch erst Tage später ein. Aber: Zivilcourage ist trainierbar. Indem wir in Rollenspielen Hass-Situationen simulieren und einfache Reaktionen durchspielen, üben wir Handlungsmuster ein, die wir im Ernstfall aktivieren und so die Instinktreaktionen überwinden können.

Aber LOVE-Storm ist mehr als ein Trainingsplatz. Nach einem Training können sich die Mitglieder der Trainingsgruppe gegenseitig zu Hilfe holen, wenn sie auf Hasskommentare stoßen oder selbst angegriffen werden. So sind die LOVE-Stormer*innen nicht alleine und können sich auf der Aktionsplattform gegenseitig stärken und immer mehr Übung und Sicherheit bekommen, um Hasskommentare im Netz zu stoppen, bevor sie größeren Schaden anrichten. Mit der Zeit wollen wir so eine Community aufbauen, die sich gegenseitig bei Hassvorfällen unterstützt, Wissen teilt und Herausforderungen diskutiert.