LOVE-Storm Grundlagen

LOVE-Storm Grundlagen

2.3 Zuschauende mobilisieren und zu digitaler Zivilcourage anregen

Bei Hassvorfällen im Netz gibt es immer Zuschauende, die häufig passiv bleiben und die Angegriffenen nicht unterstützen. Unser Ziel ist es, Zuschauende zu aktivieren, im Sinne der Menschenwürde und Zivilcourage einzugreifen.

Hass im Netz ist in der Regel eine Form öffentlicher Gewalt. Online gibt es stets zumindest potentielle Zuschauende und das trägt erheblich zu ihrer zerstörerischen Wirkung bei. So berichten viele Angegriffene, dass sie weniger unter den Beschimpfungen gelitten hätten als unter dem „Schweigen der Freunde“. Die Aktivierung des Freundeskreises von Angegriffenen ist somit eine der wichtigsten Wege, um Angegriffene zu schützen.

Zudem sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Zuschauende eingreifen, wenn sie wissen, dass andere ebenfalls zuschauen und nichts unternehmen. Es kommt zum BYSTANDER-Effekt: In sozialpsychologischen Experimenten sinkt die Hilferate rapide, sobald eine oder gar mehrere Personen zuschauen. Im Nachhinein erklärten die Teilnehmenden ihre Untätigkeit damit, dass sie sich weniger angesprochen gefühlt hätten, weil die* andere Zeug*in ja auch hätte helfen können. Manche gingen sogar dazu über, die Gewalt zu rechtfertigen und sagten, sie hätten angenommen, dass „das schon in Ordnung sei, weil sonst die andere Person ja eingegriffen hätte“.

Umgekehrt lässt die Hilfsbereitschaft NICHT signifikant nach, wenn die* andere Zeug*in eingegriffen hat. Nur Wenige erklärten, sie hätten nicht geholfen, weil es schon jemand anderes getan hätte. Die Mehrzahl der Zuschauenden fühlte sich hingegen dazu animiert nun ebenfalls zu helfen.

Zuschauende aktivierenDies liegt daran, dass auch die Zuschauenden durch Instinktreaktionen, Ängste, Zweifel und Abwägungen wie gelähmt sind. Geht nun jemand mit gutem Beispiel voran, können andere dieses konstruktive Verhalten leichter nachahmen oder werden zu anderen Aktionen inspiriert. Daher ist es hilfreich, mit gutem Beispiel voranzugehen, damit sich Andere leichter anschließen können, oder auch Zuschauende direkt anzusprechen und zur Unterstützung aufzufordern. Selbst wenn es nicht gelingt, Zuschauende direkt zur Unterstützung zu mobilisieren, ist es in jedem Fall wichtig Meinungsbildung- und austausch im Netz nicht den Hatern zu überlassen. Selbst wenn es nicht gelingt, Zuschauende direkt zur Unterstützung zu mobilisieren, ist es in jedem Fall wichtig Meinungsbildung- und austausch im Netz nicht den Hatern zu überlassen.

Indem wir Hass und Hetze öffentlich widersprechen, signalisieren wir, dass dieser Meinung zumindest von uns widersprochen wird und widersprochen werden kann. Schon ein einfaches „Nein, das sehe ich anders!“ stellt die totalitäre Fantasie eines wie auch immer gearteten „Volkswillens“ in Frage und gibt den Zuschauenden die Möglichkeit, sich zwischen Meinungen zu entscheiden. So können wir eine demokratische Debattenkultur stärken.

Darüber hinaus ist aus der Gewaltforschung bekannt, dass Täter*innen ihr Gewaltpotential oftmals unbewusst vor Publikum testen. Wird eine Gewaltform akzeptiert oder sogar unterstützt, wird sie gesteigert. Wird ihr dagegen öffentlich und deutlich widersprochen, so kann die Gewaltspirale frühzeitig gestoppt werden.